Krypto-Geschäfte, Luxushotels und ein exklusiver Memberklub: Wie sich die Familie Trump im ersten Amtsjahr bereicherte
In Donald Trumps zweiter Amtszeit verschwimmen die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Interessen. Seine Familie ist um Hunderte von Millionen Dollar reicher geworden – auch dank den Golfmonarchien.

Die Präsidentensöhne Eric Trump (rechts) und Donald Trump Jr. (links) sowie Zach Witkoff, der Sohn des Chefdiplomaten von Trump (Mitte), steigen mit World Liberty Financial im grossen Stil ins Krypto-Geschäft ein.
Spencer Platt / Getty
Kaum ein amerikanischer Präsident und seine Familie haben Amerikas höchstes Amt derart zu Geld gemacht wie die Trumps. Auch wenn die Schätzungen auseinandergehen, dürften die Profite atemberaubend sein. Gemäss dem «New Yorker» haben Donald Trump und seine Angehörigen seit seiner ersten Amtszeit rund 3,4 Milliarden Dollar durch Geschäfte eingenommen, die ohne ihre Machtstellung nicht denkbar gewesen wären. Allein das Business mit Kryptowährungen habe der First Family in einem Jahr über eine Milliarde Dollar eingebracht, schrieb die «Financial Times» im Oktober.
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Auch wenn Trump auf sein präsidiales Gehalt verzichtet, scheinen er und seine Familie trotzdem noch gut Geld mit seinem Amt zu machen. «Korruption ist das entscheidende Thema seiner Präsidentschaft», erklärt die Korruptionsexpertin Janine Wedel von der George Mason University im Gespräch. Problematisch sei dabei vor allem etwas: «Trump verwischt die Grenzen zwischen Politik, Staat und Familienunternehmen fast vollständig.»
Milliardengeschäfte mit Golfstaaten
Bestes Beispiel dafür sind die Krypto-Geschäfte der Präsidentenfamilie und ihre Verbindungen zu den Golfmonarchien. Nur zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl 2024 gründeten Donald Trump, sein heutiger Nahostgesandter Steven Witkoff und ihre Söhne das Krypto-Unternehmen World Liberty Financial (WLF). Im Mai 2025 überwies das staatlich kontrollierte Unternehmen MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten volle 2 Milliarden Dollar an WLF, um dafür dessen Stablecoin USD1 zu erwerben. MGX investierte die Kryptowährung danach in die Krypto-Handelsplattform Binance.
Gemäss Binance wurde noch nie so viel Geld auf einmal in ein Krypto-Unternehmen investiert. Legt WLF seinerseits die 2 Milliarden Dollar auf dem eigenen Konto gut an, kann die Firma daraus laufende Erträge in Millionenhöhe generieren.
Zwei Wochen nach dieser Transaktion kam es zu einem weiteren grossen Geschäft: Die amerikanische Regierung stimmte dem Export von Hunderttausenden der modernsten Computerchips in die Vereinigten Arabischen Emirate zu. Und dies trotz Bedenken, dass die wertvolle Technologie in chinesische Hände fallen könnte. Die Emirate haben gemeinsame Manöver mit dem chinesischen Militär durchgeführt. Und einzelne Unternehmen, die Zugang zu den amerikanischen Chips erhalten, verfügen über Partnerschaften mit chinesischen Tech-Firmen.
Gemäss Recherchen der «New York Times» gab es innerhalb der Trump-Regierung ernsthafte Bedenken gegen die Lieferung modernster Chips. Doch zwei Personen lobbyierten angeblich erfolgreich dafür: Witkoff und der Tech-Investor David Sacks. Letzterer ist ein früherer Geschäftspartner des Tesla-Gründers und Trump-Financiers Elon Musk. Der amerikanische Präsident machte Sacks zu seinem «Krypto-Zaren». Er ist nun für die Regulierung der Branche verantwortlich, in der er selbst geschäftliche Interessen verfolgt.

Der Tech-Investor David Sacks ist zum «Krypto-Zaren» von Trump geworden und reguliert die Branche.
Nathan Howard / Reuters
Witkoff ist seinerseits ein alter Freund und Golfpartner von Trump mit langjährigen Geschäftsverbindungen zu den Emiraten. In den Jahren 2013 und 2019 investierte der Staatsfonds der Golfmonarchie in ein Hotel von Witkoff in New York. Mittlerweile verfügt Witkoff auch über einen persönlichen Draht zum Chef des Staatsfonds: Als Scheich Tahnun bin Zayed Al Nahyan im März im Weissen Haus zu Gast war, sass Witkoff gemäss den Recherchen der «New York Times» neben ihm. Bei dem Dinner mit dabei soll auch der New Yorker Anwalt Marty Edelman gewesen sein. Er beriet Witkoff früher bei Immobiliengeschäften, nun arbeitet er für Tahnuns Techunternehmen G42.
Vom 2-Milliarden-Geschäft im vergangenen Mai mit World Liberty Financial profitierte wie erwähnt auch Binance. Pikant dabei ist, dass der Gründer des Unternehmens Changpeng Zhao in den USA 2023 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war und Binance eine Strafe von 4 Milliarden Dollar bezahlen musste. Im Oktober jedoch wurde Zhao von Präsident Trump begnadigt.
Begnadigungen nach Geldspenden
Trumps Söhne Eric und Donald Junior reisen derzeit um die Welt, um Investoren für World Liberty Financial anzuwerben. Das sei legal, solange sie potenziellen Kunden keine Begünstigungen durch ihren mächtigen Vater versprächen, erklärte der Rechtsprofessor Richard Painter von der Universität von Minnesota im Oktober gegenüber Reuters. Für die Rechtsprofessorin der Washington University Kathleen Clark ist jedoch klar: «Diese Leute schütten kein Geld in die Koffer der Trump-Familie wegen des Geschäftssinns der Brüder.» Die Kunden von World Liberty hätten vor allem ein Motiv: «Sie wollen von gesetzlichen Hürden und Strafen befreit werden. Das kann nur der Präsident liefern.»

Jubel vor dem Nasdaq-Gebäude: Donald Trump Jr., Eric Trump und Zach Witkoff machen Milliardengeschäfte mit ihrer Krypto-Handelsplattform World Liberty Financial.
Eduardo Munoz / Reuters
Trump hat von seinem ersten Amtstag an vor einem Jahr signalisiert: Wer in seiner Gunst steht, braucht sein Justizministerium kaum zu fürchten und hat gute Chancen auf eine Begnadigung. Neben den 1600 Capitol-Stürmern hat der Präsident auch vielen Finanzbetrügern ihre Strafen erlassen. Den Steuerbetrüger Paul Walczak begnadigte Trump, kurz nachdem dessen Mutter ein Spenden-Dinner für eine Million Dollar in Mar-a-Lago besucht hatte. Julio Herrera hatte eine Gouverneurin bestochen. Seine Tochter spendete 3,5 Millionen Dollar in Trumps Wahlkampfkasse. Kürzlich begnadigte Trump ihren Vater.
Gleichzeitig schwächten der Präsident und seine Justizministerin Pam Bondi die staatlichen Aufsichtsorgane: «Trump hat systematisch Abteilungen aufgelöst, die dem Kampf gegen die Korruption dienten», erklärt die Expertin Janine Wedel. Unter anderem schaffte Bondi das «kleptocracy team» ab. Dessen Aufgabe war es, das Waschen von Geldern im amerikanischen Finanzsystem durch ausländische Potentaten zu unterbinden.
Auch andere amerikanische Präsidenten und ihre Familien erweckten in einzelnen Fällen den Anschein der Korruption. Man denke etwa an die Begnadigung des Rohstoffhändlers Marc Rich durch Präsident Bill Clinton. Seine Ex-Frau hatte zuvor 450 000 Dollar an Clintons Bibliothek und eine Million Dollar an die Demokratische Partei gespendet. Ein anderes Beispiel ist Joe Biden: Als er Vizepräsident war und der Kampf gegen die Korruption in der Ukraine zu seinen Dossiers gehörte, erhielt sein Sohn Hunter ein Verwaltungsratsmandat in einem ukrainischen Energiekonzern. Ohne das Amt seines Vaters hätte Hunter diese gut bezahlte Position nie erhalten.
Im Vergleich dazu hätten die Interessenkonflikte unter Trump allerdings «qualitativ und quantitativ» ein ganz anderes Mass erreicht, sagt Wedel. Sie hält die Korruption von Trump für systematisch. Sein Ziel sei die Schwächung des demokratischen Regierungssystems, womit er auch den Nährboden für krumme Geschäfte lege. «Die Demontage des Systems ist ein Mittel, um Korruption zu ermöglichen.»
Neue Luxushotels und Golfplätze
Ethische Richtlinien, an die sich die Präsidentenfamilie in der ersten Amtszeit noch hielt, wurden verschoben. So verzichtete die Trump-Organisation damals explizit darauf, neue Geschäftsfelder im Ausland zu erschliessen. Vor der Amtseinführung vor einem Jahr warf sie diesen Grundsatz über Bord. Die Mehrheit der Käufer von Trumps Kryptowährungen sind vermutlich Ausländer. Vergangene Woche erklärte Pakistan, seine Zentralbank wolle den Stablecoin USD1 als Zahlungsmittel einführen. Der Schritt erfolgt parallel zu einer Annäherung zwischen Islamabad und der Trump-Regierung.
In den ersten Monaten nach der Wiederwahl 2024 unterzeichneten die Söhne des Präsidenten in Saudiarabien, den Emiraten und Katar neue Franchiseprojekte für Luxushotels und Golfplätze. Besonders problematisch scheint dabei ein Bauvorhaben für ein Golf-Resort in Vietnam zu sein. Im April kündigte Trump einen Importzoll von 46 Prozent gegen das Land an. Um die Gunst des amerikanischen Präsidenten zu gewinnen, beschleunigte die vietnamesische Regierung die Baubewilligung. Der Spatenstich erfolgte im Mai, obwohl das Projekt noch etliche gesetzliche Hürden zu überspringen hatte. Was gewöhnlich zwei bis vier Jahre in Anspruch nimmt, erfolgte in drei Monaten.

Diplomatie und Business gehen Hand in Hand: Der Präsident der Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, empfängt Präsident Donald Trump im Mai 2025.
Imago / Emirates News Agency / Apaimages
Im Vergleich zu den Krypto-Geschäften ist die Immobilienbranche für die Trump-Familie heute allerdings ein kleines Feld. Im ersten Halbjahr 2025 brachten die Immobilien rund 60 Millionen Dollar ein, während die Krypto-Einnahmen sich auf zirka 800 Millionen Dollar beliefen. Gleichzeitig diversifizieren die Präsidentensöhne die Geschäfte laufend. Don Junior etwa gründete in Washington im Nobelquartier Georgetown den elitären Klub «Executive Branch» für maximal 200 Mitglieder mit einer Beitrittsgebühr von einer halben Million Dollar.
Kurz nach dem Wahlsieg seines Vaters erhielt der älteste Sohn des Präsidenten ein Beratungsmandat und Aktienanteile im Wert von nun 3,7 Millionen Dollar beim kleinen und noch unbekannten Drohnenhersteller Unusual Machines. Im Oktober erhielt das Unternehmen einen grossen Auftrag des Pentagons zur Lieferung von 3500 Drohnenmotoren mit der Aussicht auf eine Bestellung von weiteren 20 000 Stück. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzte das Vermögen von Trump Junior 2024 auf 50 Millionen Dollar, nun geht es von 300 Millionen Dollar aus. Das entspricht einer Versechsfachung.
Frappant im historischen Vergleich scheint dabei auch, wie wenig Präsident Trump der Anschein der Korruption kümmert und wie dieser von der eigenen Partei hingenommen wird. Eindrücklich zeigt dies vor allem ein Beispiel: Im Sommer liess sich Trump von Katar eine luxuriöse Boeing im Wert von 400 Millionen Dollar schenken. Der «fliegende Palast» soll Trump nach einer vermutlich teuren Überholung bis zum Ende seiner Amtszeit als Air Force One dienen, dann aber in den Besitz seiner Präsidentenbibliothek übergehen. Im November unterzeichnete Trump eine Verordnung, in der er Katars Sicherheit garantierte. Die USA betrachteten jeden Angriff auf die Golfmonarchie «als Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten», steht darin.
Das fürstliche Geschenk aus Katar führte im republikanisch kontrollierten Kongress zu Diskussionen, aber zu keinem ernsthaften Widerstand. Trump hat den Amerikanern ein «goldenes Zeitalter» versprochen. Für die Präsidentenfamilie ist es bereits angebrochen.

Der Emir von Katar besucht im Juli 2025 Washington; auf dem Pult von Trump steht ein Modell des Jumbo-Jets der Marke Boeing 747, den der Emir dem amerikanischen Präsidenten schenkt.
Shealah Craighead / Imago


