Sanija Ameti hat sich mit Schüssen auf Maria und Jesus ins Abseits manövriert. Nun tritt sie von der politischen Bühne ab
Die ehemalige GLP-Politikerin wird aus dem Stadtparlament ausscheiden – und steht nächste Woche vor Gericht.

Sanija Ameti tritt nicht zur Wiederwahl für ihren Sitz im Stadtparlament an.
Peter Klaunzer / Keystone
Selten hat sich eine Schweizer Politikerin rasanter ins Abseits befördert. Im September 2024 schoss Sanija Ameti, damals 32 Jahre alt, im Keller ihres Hauses mit einer Luftpistole auf eine Abbildung von Maria und Jesus. Sie veröffentlichte Fotos davon auf Instagram und kommentierte sie mit dem Wort «abschalten».
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Sie löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Ihre Partei, die GLP, distanzierte sich von ihr und stellte ein Ausschlussverfahren in Aussicht. Ameti kam diesem später mit ihrem Parteiaustritt zuvor. Sie verlor ihren Job bei einer PR-Agentur und stand wegen Morddrohungen unter Polizeischutz.
Es war ein tiefer Fall für Ameti, die als Co-Präsidentin der Operation Libero als junge, aufstrebende Politikerin galt.
Die Juristin verschwand für Monate aus der Öffentlichkeit. Im Dezember 2024 gab sie ihr Comeback im Stadtparlament, in das sie 2022 gewählt worden war. Bei ihrer Ankunft wurde sie von Ratsmitgliedern umarmt. Im Plenum bedankte sie sich: Sie habe in letzter Zeit oft geweint, aber nicht wegen des Hasses, den sie erfahren habe, «sondern wegen der ganzen Liebe, die ich aus dem Rat erhalten habe. Das hat mir Stärke gegeben.»
Den pathetischen Worten zum Trotz blieb Ameti im Stadtparlament isoliert. Von ihrer Partei, der GLP, entfremdete sie sich. Sie trat auch in keine andere Fraktion ein. Ameti hatte vor dem Luftpistolen-Skandal mehrmals freimütig gesagt, sich nicht besonders für Lokalpolitik zu interessieren, aber das lokale Parlament sei nun einmal der erste Schritt einer Politikerkarriere in der Schweiz.
Insofern ist es nicht erstaunlich, dass sich Ameti für die Wahlen im März nun nicht mehr aufstellen lässt. Gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA lässt sie sich wie folgt zitieren: «Die Tätigkeit im Stadtparlament war von einer unglaublich erfüllenden und lehrreichen Zeit geprägt.» Nach vier Jahren sei für sie der Raum, im Gemeinderat Neues zu erlernen, begrenzt. Sie wolle in ihrem Leben aber noch vieles lernen.
Somit hat Ameti ihr letztes Amt abgegeben. Ihre Position als Co-Präsidentin der Operation Libero hat sie letzten Herbst geräumt.
Das Kapitel Politik ist für Ameti vorderhand abgeschlossen. Die Schüsse auf Maria und Jesus verfolgen sie allerdings weiterhin. Kommende Woche steht sie deswegen vor dem Bezirksgericht Zürich. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, «öffentlich und in gemeiner Weise die Überzeugung anderer in Glaubenssachen, insbesondere den Glauben an Gott, beschimpft oder verspottet» zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 100 Franken und eine Busse von 2500 Franken.




