Der Finanzanbieter Revolut ist gerade omnipräsent: Egal, ob man in ein Flugzeug steigt oder ein sportliches Großereignis verfolgt – die Werbung für die Bank fällt sofort ins Auge, zuletzt etwa bei dem NBA-Spiel in Berlin zwischen den Orlando Magic und den Memphis Grizzlies. Jetzt geht Revolut aber einen gewaltigen Schritt und schickt sich an, an der Seite von Audi die Formel 1 zu erobern. Das Audi Revolut F1 Team ist ab der Saison 2026 mit dem Fahrer-Duo Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto neu dabei und will mehr als “nur” mitfahren. Was dieser Schritt genau beinhaltet und was er für Revolut aus Marketingsicht bedeutet, hat der Chief Marketing Officer der Firma am Rande der Vorstellung des Formel-1-Wagens in Berlin im Interview mit GQ genauer erläutert.
GQ: Revolut war einer der Hauptsponsoren des NBA-Spiels in Berlin, jetzt der Einstieg in die Formel 1 mit dem Audi Revolut F1 Team – was ist die Strategie hinter diesem Engagement?
Antoine Le Nel: Das hat sich über die letzten Jahre entwickelt. Wir haben mit unserem Wachstum auch unser Marketingbudget immer weiter ausgebaut und festgestellt, dass Sport einfach eine enorme Anziehungskraft hat und uns mit Revolut eine tolle Bühne bietet. Indem wir bei den Top-Events vertreten sind – wie eben der Formel 1 oder der NBA – zeigen wir, dass wir in der ersten Liga spielen.
Bei der Formel 1 geht das Engagement ja weit über ein “normales” Sponsoring hinaus: Das Team heißt Audi Revolut F1 Team, Sie sind also maßgeblicher Teil des ganzen Unternehmens. Wie kam es dazu?
Die Idee dazu kam vor ungefähr einem Jahr auf. Wir haben gemerkt, dass wir einen Punkt in unserer Entwicklung erreicht haben, an dem wir so ein Projekt umsetzen können. Revolut ist mittlerweile zehn Jahre alt und wir sind ein globales Unternehmen – genau wie die Formel 1 auf der ganzen Welt tätig ist. Wir wollten Teil dieser Welt sein und das mit der größtmöglichen Visibilität. Audi war dafür der beste Partner für uns. Sie starten als Herausforderer in ihre erste Saison und wollen die etablierten Player herausfordern. Genauso wie wir daran arbeiten, die “alten” Banken mit unserem innovativen und disruptiven Geschäftsmodell herauszufordern.
War es entscheidend, dass es eine deutsche Automarke ist?
Es hat auf jeden Fall zur Entscheidung beigetragen. Deutsche Automobilfirmen stehen weltweit für Zuverlässigkeit, für Marken, die ein großes Vertrauen genießen. Das sind Werte, für die wir auch stehen und mit denen wir uns verbinden wollen. Und natürlich wollen wir auf dem deutschen Markt noch wachsen. Im Vergleich zu Frankreich oder Großbritannien haben wir hier in Deutschland noch Aufholpotenzial.
Deutsche neigen dazu, gerade in Finanzangelegenheiten eher konservativ zu denken…
Gerade in Sachen Finanzen ist Vertrauen in Deutschland essentiell. Viele Menschen möchten zuerst verstehen, wer hinter einem Angebot steht und wie verlässlich es ist. Wir sind davon überzeugt, dass wir das beste Produkt auf dem Markt anbieten und Audi vertraut uns – das sollte doch helfen, dass sich mehr Menschen über uns informieren.
Es ist eine Sache, die Marke Revolut bekannter zu machen, eine ganz andere ist es, die Menschen dazu zu bringen, sich mit dem Produkt genauer zu beschäftigen. Wie wollen Sie das erreichen?
Absolut. Bekanntheit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass Menschen verstehen, wofür wir stehen und welchen Mehrwert Revolut im echten Leben bietet. Deswegen sind wir nicht einfach nur ein Logo auf einem Auto, sondern fest in den Alltag des Teams integriert. Sie benutzen Revolut als ihre Bank. Budget-Management ist essentiell in der Formel 1, es entscheidet, welches Team womöglich entscheidende Vorteile hat. Und das Audi Revolut dafür nutzt, macht es sehr konkret, wofür unser Produkt steht und warum es relevant ist. Und die Tatsache, dass Audi uns dabei vertraut, zeigt, wie groß ihr Vertrauen in uns ist.
Ein großer Punkt in Ihrer Strategie – abseits vom Sport-Sponsoring – ist, den Menschen zu zeigen, wie einfach es ist, ein Konto bei Revolut zu eröffnen. An den Flughäfen in München und Berlin beispielsweise gibt es Automaten, an denen man sich anmelden und direkt eine Karte ausgeben lassen kann…
Wir sind auch noch in Hamburg und 15 weiteren Städten in ganz Europa an den Flughäfen vertreten. Das alleine zeigt ja schon, was für ein global denkendes Unternehmen wir sind.

Der Revolut CMO Antoine Le Nel.Revolut / Photographer: MikeSouthMakes.com
Was sind die Ziele und Erwartungen an Ihr Engagement in der Formel 1 – für das Unternehmen, aber auch sportlich für das Audi Revolut F1 Team?
Wir starten mit der notwendigen Bescheidenheit, aber ohne falsche Zurückhaltung. Audi und Revolut treten an um zu gewinnen und nicht um mitzuspielen. Daran richten wir unsere Erwartungen aus und werden unseren Weg gehen.
Sie selbst sind seit rund fünf Jahren bei Revolut und haben viele neue Entwicklungen miterlebt. Wo würden Sie den Einstieg in die Formel 1 als Meilenstein für das Unternehmen einordnen?
Wir betrachten Meilensteine eher aus der Perspektive der Produktentwicklung oder der Umsätze. Aber aus Marketingsicht ist das ohne Frage ein Wendepunkt für uns als Unternehmen. Wir haben im letzten Jahr festgestellt, dass wir nicht nach Partnern suchen müssen, sondern dass es viele andere Firmen gibt, die uns als Partner haben wollen. Wir bieten eine Plattform, die für viele Unternehmen perfekt passt.
Aber natürlich ist dieser Einstieg nur der Anfang für uns. Wir wollen das Bild der Formel 1 maßgeblich mitprägen, wie das in der Vergangenheit andere Unternehmen gemacht haben. Wenn man zurückdenkt an die großen Rennen der Formel-1-Geschichte, hat man sofort bestimmte Autos vor Augen – und auch die Marken, die man mit ihnen verbindet. Nicht für ein oder zwei Jahre, sondern für Jahrzehnte.


