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Auf der Suche nach einer TikTok-Alternative hat die australische App UpScrolled einen überraschenden Zustrom erfahren.
Der US-Version von TikTok wird Zensur vorgeworfen. UpScrolled ist der erste Profiteur davon.
Die Ausgliederung der amerikanischen TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer in ein US-geführtes Joint Venture treibt ihre ersten Blüten. Einhergehend mit technischen Problemen gibt es die ersten Vorwürfe der Zensur in Zusammenhang mit den Ereignissen in Minneapolis und beispielsweise auch mit den Epstein-Files.
Während bisher ungeklärt ist, ob hier absichtlich das Schreiben von Privatnachrichten und das Posten verhindert wird, hat sich wieder einmal eine Welle in Gang gesetzt, die von TikTok und vor allem deren US-Variante abwandern will. Während die erste Welle in Richtung RedNote schnell ihr Momentum verloren hat und Loops erst kurz vor der endgültigen Veröffentlichung steht, wurde nun eine App namens UpScrolled als neuer Zufluchtshafen auserkoren.
UpScrolled ist verhältnismäßig neu auf dem Markt. Erst im Juni 2025 ist die Plattform abseits der öffentlichen Wahrnehmung gestartet. Gegründet wurde UpScrolled von Issam Hijazi, einem palästinensisch-australischen Entwickler, der unter anderem für IBM und Oracle gearbeitet hat.
Grund für die Schaffung von UpScrolled war laut Hijazi das Fehlen von Alternativen zu den Big-Tech-Plattformen, die er rund um die Angriffe in Gaza der Zensur beschuldigte. UpScrolled wurde dabei nicht explizit als TikTok-Alternative aufgesetzt, sondern auch als Gegenstück zu Plattformen wie Instagram und X.
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Ein Thema im Fokus
Da die Plattform derzeit nur über die App erreichbar ist, müssen wir diese zuallererst herunterladen. Der Start ist unkompliziert: Nach dem Splash-Screen werden wir nach dem Name, Mail-Adresse und Geburtsdatum gefragt. Danach gilt es noch, Nutzernamen und Passwort zu wählen. Darüber hinaus gibt es keinerlei Onboarding.
Eine Einführung in die App oder Accounts, die zum Folgen vorgeschlagen werden, gibt es nicht. Stattdessen landen wir direkt auf der Startseite bzw. dem Home-Reiter. Und dieser ist ganz schön leer. Unterteilt wird hier nämlich in Following und Discover. Nach der ersten Anmeldung folgen wir aber noch niemandem, weswegen es auch keine Inhalte zum Anzeigen gibt. Immerhin werden uns aber unter dem großen Banner „Welcome to UpScrolled“ reihenweise populäre Accounts vorgeschlagen, denen wir folgen können.
Hier wird die Schlagrichtung offensichtlich, die UpScrolled derzeit hat. Wer Diskussionen zu den USA oder der Abwanderung von TikTok erwartet, irrt sich gewaltig. Viele der Profile fokussieren sich auf den Nahen Osten und ganz besonders auf Palästina. Auffällig viele Accounts haben die palästinensische Flagge als Unterstützungserklärung in ihren Profilbildern.
Der zweite Teil von Home ist der Discover-Feed. Hier sehen wir Inhalte, die auf der Plattform trenden, also auch Accounts, denen wir nicht folgen.

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Mehr Instagram als TikTok
Auch hier ist Nahost-Politik das heiße Thema, es mischen sich aber immerhin vereinzelte Memes oder einfach nur persönliche Posts von neuen Nutzerinnen und Nutzern unter die sonst sehr ernsten Themen. Optisch erinnert die App vor allem an Instagram. Während sich auch Videos dazwischen schummeln, sind es vor allem Bilder und Texte, die derzeit das Gros der Inhalte ausmachen. Gescrollt wird außerdem durch einen zusammenhängenden Feed, statt Post für Post. Jeder Post kann geliked, kommentiert und geteilt werden.
Um mehr Inhalte nach unserem Geschmack zu finden, bietet sich die Suche an. Hier wird zwischen Topics und Trending unterschieden. In Topics können wir uns Posts aus Themenbereichen wie Sport, Film, Essen, Kunst oder Natur anzeigen lassen. Auch hier ist aber ein Thema oft vorherrschend.
Tippen wir auf die Rubrik „Sport“, hat der erste Post wieder einen Konnex zu Palästina. Tippen wir auf Kunst, ist Palästina ganz oben. Unter Trending finden wir globale und länderspezifische Trends. Wählen wir beispielsweise Österreich aus, ist „#Memes“ an erster Stelle, wohl auch, weil diese sonst etwas schwer zu finden sind.
KI- und Topic-Deklaration
Möchten wir selbst einen Post machen, geht das, wie auch in anderen Apps, über das Plus-Symbol am unteren Bildschirmrand. Unterschieden wird hier zwischen Text, Fotos und Videos. Neben dem Inhalt selbst können im Composer noch Standort und Topic hinzugefügt werden. Über einen eigenen Button lässt sich deklarieren, ob der Inhalt teilweise oder vollständig mithilfe von KI erstellt wurde.
Auch Direktnachrichten sind in UpScrolled integriert. Über eine etwaige Verschlüsselung gibt es aber keine Informationen. Wer uns schreiben kann, bestimmen wir über die Account-Einstellungen. Dort können wir auch unser Profil auf privat stellen, Benachrichtigungen anpassen sowie unsere Liste blockierter und stummgeschalteter User einsehen.
Eine Mission, viele Fragezeichen
UpScrolled möchte laut eigenen Angaben eine Plattform sein, in der Stimmen gehört werden, statt sie still zu unterdrücken. Betont wird zudem politische Neutralität, die Ablehnung von Shadowbanning, der Einsatz von fairen Algorithmen und soziale Verantwortung. Wie so oft ist es aber auch hier eine Frage der Umsetzung.
Derzeit hat UpScrolled eine politische Schlagseite, die zumindest die Frage aufwirft, wie sehr die Plattform die Neutralität wahren kann. Fraglich ist auch, wie hilfreich es für das Anlocken von neuen Usern ist, wenn man schon beim Start mit politischem Content überschwemmt wird. So sehr TikTok und Co. nämlich Politik beinhalten: Kochvideos, blöde Memes und der ein oder andere Ragebait locken wahrscheinlich mehr User an.
Auch bei der Datenverarbeitung gibt es ein mehr als dickes Fragezeichen. Laut UpScrolled werden Nutzerdaten mit nichts und niemandem geteilt. Sieht man sich die Datenschutz-Deklaration im App Store an, sammelt UpScrolled aber doch einiges und verknüpft diese Daten auch.
Viele weitere Fragen beantwortet die Plattform immerhin selbst, wenn auch teilweise nur mit Versprechungen für die Zukunft. So gibt UpScrolled stolz an, dass sämtliche Inhalte in Irland gehostet werden. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Australien. Nur vage beantwortet werden die Themen Werbung und Monetarisierung. Während man bei Werbung mit einem „wahrscheinlich“ antwortet, gibt es hierfür noch keine Strategie, ebenso wenig für die Vergütung von Creatorn, die für langfristige Etablierung und Wachstum besonders wichtig ist.

Die Datenschutz-Deklaration zeigt zumindest, dass einiges mit uns verknüpft wird.
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Fazit
Mit UpScrolled hat es eine weitere Plattform ins Rampenlicht geschafft. Wie auch schon bei RedNote ist aber zweifelhaft, dass sich hier eine echte Alternative etabliert. Dass UpScrolled als TikTok-Alternative auserkoren wurde, verwundert etwas, ist es doch mehr an Instagram angelehnt.
Möglicherweise ist es einfach der Mangel an Alternativen, der diesen kurzfristigen Hype befeuert. Die wohl interessanteste Alternative, Loops, hat ihren Release nämlich erst in den kommenden Tagen.


