Saturday, January 31, 2026
Home Science Kanadas neue U-Boote sollen “5-Sterne-Hotels” werden

Kanadas neue U-Boote sollen “5-Sterne-Hotels” werden

Ein modernes U-Boot der KSS-III-Klasse von Hanwha Ocean fährt an der Wasseroberfläche vor einer Küste, als Beispiel für Südkoreas Angebot an Kanada.

Wenn nach Südkorea geht, könnten so Kanadas neuen U-Boote aussehen

© Hanwha Ocean

Militärtechnik

Südkorea bewirbt sich als Lieferant für Kanadas U-Boot-Flotte CPSP mit einem ungewöhnlichen Pitch.

Es ist eng, feucht und stickig. Geht es nach Filmen, gehören U-Boote zu den ungemütlichsten Orten, an denen man sich als Seemann befinden kann – egal, ob zu Kriegszeiten oder auf mehrmonatiger Patrouille.

Das muss aber nicht sein, wenn es nach Südkorea geht. Im Rahmen eines Staatsbesuchs in Kanada hat sich das Land als Lieferant für das Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) starkgemacht.

5-Sterne-Hotel auf Tauchfahrt

„Die U-Boote werden mit dem Gedanken designt und gebaut, dass meine eigenen Söhne und Töchter an Bord sein könnten“, sagte Kang Hoon-sik, Stabschef des südkoreanischen Präsidenten: „Deshalb ist unser Ziel, die U-Boote wie 5-Sterne-Hotels zu bauen.“

Grafische Darstellung des Innenraums eines KSS-III U-Boots

Außen U-Boot, innen 5 Sterne? Südkorea will Kanada KSS-III-U-Boote verkaufen

© Hanwha Ocean

Kang erklärt: „Warum sollten wir es denn nicht so machen? U-Boote sind in absoluter Finsternis, Kälte und Tiefsee-Umgebungen unterwegs, isoliert, wo die Kommunikation nach außen unmöglich ist. Es ist üblich, dass U-Boote, und damit auch ihre Crews, wochenlang unterwasser bleiben, ohne aufzutauchen. Wenn wir uns vorstellen, dass da unsere Kinder an Bord sind, möchten wir nicht nur, dass sie sicher sind, sondern auch einen bequemen Platz haben, um sich auszuruhen. Natürlich sind die U-Boote auch verlässlich und können ohne Fehlfunktionen im tiefen, kalten Ozean tauchen.“

➤ Mehr lesen: Projekt 08951: Was Russlands neues U-Boot mit dem Weltuntergang zu tun hat

Canadian Patrol Submarine

Bei CPSP geht es um bis zu 12 U-Boote, die etwa 44 Milliarden US-Dollar kosten sollen. Die neue U-Boot-Flotte soll gleichzeitige Patrouillen im Atlantik, dem Pazifik und dem arktischen Ozean ermöglichen.

CPSP wurde gestartet, um die Upholder-Klasse U-Boote abzulösen. Dabei handelt es sich um 4 überarbeitete, diesel-elektrische U-Boote der Victoria-Klasse, die zwischen 1991 und 1994 bei der britischen Marine im Einsatz waren. In Kanada wurden die einzelnen U-Boote in den Jahren 2000 (Victoria), 2003 (Corner Brook, Windsor) und 2015 (Chicoutimi) in Dienst gestellt.

Die Upholder-Klasse wird Mitte/Ende der 2030er-Jahre das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen und außer Dienst gestellt werden. Um eine Nachfolge zu finden, wurde 2021 CPSP gestartet. Im August 2025 wurde die Ausschreibung auf 2 Anbieter reduziert: Thyssenkrupp aus Deutschland und Hanwha Ocean aus Südkorea.

Zu den Anforderungen an die neuen U-Boote gehören:

  • Konventioneller Antrieb (diesel-elektrisch)
  • Einsatzreichweite von mindestens 13.000 km im Dieselbetrieb bei Fahrt mit 8 Knoten (15 km/h)
  • Mindestens 21 Tage Tauchbetrieb, bevor geschnorchelt oder aufgetaucht werden muss
  • U-Boot muss in bis zu einem Meter dickem, arktischem Eis fahren können und polare Kaltwetter-Verhältnisse aushalten
  • Mindestens 6 533-mm-Torpedorohre, aus denen auch Raketen (für Attacken auf Schiffe und Landziele), Minen und Drohnen gestartet werden können
  • Ausreichend Platz für mindestens 60 Personen (gemischte Crew aus Frauen und Männern) und mindestens 60 Tage Versorgung, bevor Nachschub notwendig ist
  • Erstes U-Boot muss spätestens 2035 geliefert werden

➤ Mehr lesen: Titan und 2 Reaktoren: K-222 ist seit 55 Jahren das schnellste U-Boot aller Zeiten

Typ 212CD

Thyssenkrupp hat das U-Boot Typ 212CD für CPSP eingereicht. Das U-Boot wird für Norwegen und Deutschland gebaut. Die Æger soll als erstes U-Boot der neuen Klasse 2029 bei der norwegischen Marine in Dienst gestellt werden.

Ein U-Boot fährt unter Wasser über den Meeresboden mit etwas Pflanzenbewuchs.

Grafik der Typ 212CD

© thyssenkrupp

Die Typ-212CD-U-Boote sind 73 Meter lang und haben eine Verdrängung von 2.800 Tonnen (getaucht). Sie werden diesel-elektrisch angetrieben und haben eine außenluftunabhängige Antriebsanlage (AIP), die längere Tauchfahrten ermöglichen soll. Genaue technische Daten dazu sind noch nicht bekannt.

An Bord ist Platz für bis zu 14 Torpedos, Raketen und Drohnen. Es gibt 6 Torpedorohre im Kaliber 533 mm. Gerüchten zufolge soll zumindest eine davon speziell für den Abschuss von IDAS-Raketen gedacht sein. In ein Rohr passen 4 IDAS.

4 IDAS-Raketen im

4 IDAS-Raketen im “Magazin”, das in ein 533-mm-Torpedorohr passt. Die IDAS werden in eine Typ 212A verladen.

© tkms

IDAS ist als Luftabwehrrakete gedacht, um U-Boot-jagende Hubschrauber abzuschießen. Sie kann aber auch gegen kleine Schiffe und Landziele eingesetzt werden. Sie kann während der Tauchfahrt gestartet werden, die Reichweite beträgt bis zu 20 km. Über ein Glasfaserkabel bestehen Kontakt und eine Bildübertragung zum U-Boot. Dadurch kann die Rakete nach dem Start präzise ins Ziel gelenkt werden. Sie hat auch einen Fire-and-Forget-Modus, falls eine direkte Steuerung aus taktischen oder technischen Gründen nicht möglich ist.

Grafische Darstellung eines IDAS-Einsatzes

Grafische Darstellung eines IDAS-Einsatzes

© Diehl Defence

KSS-III

Hanwha Ocean nimmt mit KSS-III an der kanadischen Ausschreibung teil. Hiervon gibt es eigentlich 2 Klassen: Batch-I und Batch-II. Offiziell heißt Batch-I in Südkorea Dosan-Ahn-Chang-ho-Klasse. Die diesel-elektrischen U-Boote werden seit 2014 gebaut, 3 Stück wurden ab 2021 bei der südkoreanischen Marine in Dienst gestellt.

Ein U-Boot fährt halb getaucht durch das offene Meer, auf dem Turm weht eine Flagge.

Dosan-Ahn-Chang-ho-Klasse

© ROK Ministry of National Defense

Die Dosan-Ahn-Chang-ho-Klasse hat eine Verdrängung von 3.700 Tonnen (getaucht) und ist 83,5 Meter lang. Getaucht ist sie bis zu 37 km/h schnell, die Reichweite Unterwasser wird mit mehr als 20 Tagen angegeben. Sie hat ein AIP und Brennstoffzellen.

Sie ist nicht nur mit 6 533-mm-Torpedorohren bewaffnet, sondern auch mit einem Vertikalstartsystem (VLS) mit 6 Zellen. Diese sind mit der Hyunmoo 4-4 bestückt. Die ballistische Rakete hat eine Reichweite von 500 km und ist für den Angriff auf Landziele gedacht.

Batch-II für Kanada

Für CPSP hat Hanwha Ocean Batch-II eingereicht, die in Südkorea Jang-Yeongsil-Klasse heißt. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der ersten KSS-III-U-Boote. Das erste Batch-II-U-Boot soll noch heuer bei der südkoreanischen Marine in Dienst gestellt werden.

Mit 89 Metern Länge und 4.000 Tonnen Verdrängung (getaucht) ist sie größer als Batch-I. Zusätzlich zum diesel-elektrischen System und AIP gibt es Lithium-Ionen-Akkus. Gegenüber den üblichen Bleiakkus, die bei U-Booten verwendet werden, sollen die Lithium-Ionen-Batterien die Geschwindigkeit bei Tauchfahrten und die Reichweite erhöhen. Außerdem sollen sie eine höhere Lebensdauer haben.

➤ Mehr lesen: Südkoreas neues U-Boot fährt mit innovativen Lithium-Ionen-Akkus

Der zusätzliche Platz bei Batch-II wird genutzt, um 10 VLS-Zellen unterzubringen. Neben der Hyunmoo 4-4 sollen aus diesen künftig auch Marschflugkörper gestartet werden können. Es ist wahrscheinlich, dass, je nach den Wünschen Kanadas, das VLS angepasst werden kann, um Raketen zu starten, die bei der NATO weiter verbreitet sind als südkoreanische Modelle. Hanwha Ocean verspricht, dass man bis 2035 4 Stück der Batch-II-U-Boote an Kanada liefern kann.

Mehr zum Thema

Read More

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here