Peter Mandelson, einstige Lichtgestalt der britischen Politik, ist wegen der Nähe zu Jeffrey Epstein tief gefallen
Nach neuen Enthüllungen tritt der frühere Minister und Botschafter aus der Labour-Partei aus. Offenbar erhielt er Geld vom amerikanischen Sexualstraftäter und leitete ihm interne Regierungsdokumente weiter. Auch der ehemalige Prinz Andrew gerät weiter unter Druck.

Peter Mandelson, der frühere britische Botschafter in den USA, am 10. Januar.
Jeff Overs / BBC / Handout
Peter Mandelson ist am Sonntag aus der Labour-Partei ausgetreten. Der Schritt erfolgte, weil die jüngst veröffentlichten Epstein-Files weitere Verstrickungen des Politikers und ehemaligen Botschafters in die Machenschaften des verurteilten Sexualstraftäters nahelegen.
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Dem amerikanischen Multimillionär Jeffrey Epstein wurde vorgeworfen, mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht zu haben. Er verfügte über ein ausgedehntes Netzwerk von prominenten Freunden, denen er Frauen zuführte. 2019 wurde er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden.
Dubiose Überweisungen und Weitergabe von E-Mails
Mandelson wolle der Regierungspartei weitere Peinlichkeiten ersparen, schrieb er in einem Brief an die Labour-Spitze. Aus den Akten, die das amerikanische Justizministerium letzte Woche veröffentlichte, geht hervor, dass Jeffrey Epstein zwischen 2003 und 2004 insgesamt 75 000 Dollar an Mandelson überwies. Mandelson sass damals für den Wahlkreis Hartlepool im Unterhaus. Er selbst sagt, er könne sich nicht an die Überweisungen erinnern. Zudem erhielt Mandelsons damaliger Lebenspartner und späterer Ehemann im Jahr 2009 10 000 Dollar von Epstein, kurz nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis.
Mandelson taucht auch in einigen nun veröffentlichten E-Mails aus dem Jahr 2009 auf. Mandelson war damals Finanzminister in der Regierung von Premierminister Gordon Brown. In den E-Mails ging es um Steuern auf die Boni von Bankern. Epstein drängte Mandelson, darauf hinzuwirken, dass die Steuern aufgeweicht werden, und Mandelson versicherte ihm, er arbeite daran. Mandelson sagt inzwischen, sein Engagement in dieser Sache habe nichts mit Epstein zu tun gehabt, sondern habe die generelle Ansicht im Finanzsektor gespiegelt.
Am Montag wurde auch publik, dass Mandelson, ebenfalls im Jahr 2009, interne Regierungs-E-Mails an Epstein weiterleitete.
Starmer ordnet interne Untersuchung an
Wie vertraulich die Freundschaft zwischen den beiden Männern war, zeigt sich daran, dass Mandelson dem Mann, den er einmal als «besten Kumpel» titulierte, 2010 die Einführung zu seiner Autobiografie schickte. Epstein teilte ihm danach detailliert mit, welche Passagen er gut fand und welche nicht, worauf Mandelson entsprechende Änderungen vornahm. Das Buch erschien unter dem Titel «The Third Man – Life at the Heart of New Labour».
Premierminister Keir Starmer hatte Mandelson im Dezember 2024 zum Botschafter in Washington ernannt. Im September letzten Jahres berief er ihn jedoch wieder ab, nachdem Dokumente gezeigt hatten, dass Mandelsons Freundschaft mit Epstein tiefer war und länger dauerte, als er bisher behauptet hatte. Mandelson wurde 2008 geadelt und wurde Mitglied des Oberhauses. Seit seiner Wahl zum Botschafter ist er dort allerdings beurlaubt. Es ist noch nicht klar, ob er ins House of Lords zurückkehren wird.
Den heute 72-jährigen Mandelson verbindet eine lange Geschichte mit der Labour-Partei. Schon sein Grossvater war Minister in einer Labour-Regierung gewesen, und Mandelson selbst arbeitete ab den 1980er Jahren in verschiedenen Funktionen für die Partei. Er gilt als einer der Architekten von «New Labour» unter Premierminister Tony Blair.
Premierminister Starmer und sein Stabschef Morgan McSweeney, der Mandelson persönlich nahesteht, wurden im Nachhinein heftig für dessen Ernennung zum Botschafter in den USA kritisiert, weil man bereits 2024 über seine Verwicklungen in die Epstein-Affäre wusste. Am Montag hat Starmer nun eine interne Untersuchung zu Mandelson angeordnet, insbesondere im Zusammenhang mit der Weitergabe von vertraulichen Regierungsdokumenten. Starmer sagte auch, dass Mandelson seiner Ansicht nach nicht mehr ins Oberhaus zurückkehren sollte. Ein Ausschluss steht jedoch nicht in der Macht des Premierministers.
Epstein schickte Andrew eine junge Frau
Auch der jüngere Bruder von König Charles III., Andrew Mountbatten-Windsor, gerät durch die Veröffentlichung von weiteren Epstein-Akten erneut ins Scheinwerferlicht. Hunderte von Malen taucht sein Name in den jüngsten Dokumenten auf. Bereits im Herbst musste er auf Geheiss der Königsfamilie sämtliche Adelstitel, Ehrungen und auch seine Residenz abgeben. Nun sind Fotos von ihm publiziert worden, die zeigen, wie er über einer am Boden liegenden Frau kniet, vermutlich in Epsteins New Yorker Wohnung.
Zudem hat der amerikanische Anwalt Brad Edwards, der mehrere Epstein-Opfer vertritt, bekanntgegeben, dass er voraussichtlich im Namen einer seiner Klientinnen gegen den ehemaligen Prinzen Andrew klagen werde. Sie sagt, sie sei auf Geheiss von Epstein nach Grossbritannien geflogen worden, um Sex mit Andrew zu haben. Sie habe die Nacht in seiner Residenz verbracht und sei am nächsten Tag durch den Buckingham-Palast geführt worden.
Ein E-Mail-Austausch von 2010 zeigt, wie Epstein ein Abendessen mit einer 26-jährigen Russin für Andrew in London arrangierte. Andrew hatte immer wieder behauptet, nichts von Epsteins Machenschaften gewusst zu haben. Auch seine Ex-Frau Sarah Ferguson kommt häufig in den Akten vor. In einer E-Mail, geschrieben nach Epsteins Gefängnisaufenthalt, nannte sie ihn den Bruder, den sie sich immer gewünscht habe. In einem anderen Schreiben von 2011 gratulierte sie ihm zur Geburt eines Babys. Bisher war nicht bekannt, dass Epstein Kinder hatte.
Unter britischen Politikern mehren sich nun die Stimmen, die fordern, dass sowohl Mandelson wie auch Mountbatten-Windsor vor Gericht aussagen.


