
Die jüngste Tranche der publizierten Epstein-Files zeichnet ein Unsittengemälde der High Society – rechtliche Folgen sind unwahrscheinlich, aber der Ruf der amerikanischen Elite leidet insgesamt.

Eines von Millionen Epstein-Dokumenten: die Akte von der Festnahme von Jeffrey Epstein am 6. Juli 2019.
Jon Elswick / AP
Es ist ein monumentaler «Drop»: Über drei Millionen Seiten von Dokumenten, 2000 Videos und 180 000 Bilder aus den Epstein-Files hat das Justizministerium am Freitag publiziert, weil der Kongress es verlangt hat. Journalisten durchforsten seither die Datenmenge – ein abschliessendes Fazit zum Wirkungskreis des Falls Epstein lässt sich noch nicht sauber ziehen. Doch schon jetzt gilt im Epstein-Skandal eine Regel: Mitgegangen heisst nicht unbedingt mitgefangen.
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Zwar häuft sich das kompromittierende Material, das immer mehr prominente Männer als schlüpfrige Freunde des 2019 im Gefängnis verstorbenen Sexualstraftäters outet. Die Fotos zeigen den damaligen englischen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor, der über einer jungen Frau kniet, und Bill Clinton, der in einem Pool schwimmt – in weiblicher Begleitung. Epstein und seine Gefährtin Ghislaine Maxwell sammelten systematisch die Bilder ihrer Gäste.
Epstein-Partys waren bei den Promis angesagt
Der Tech-Milliardär Elon Musk, der Virgin-Group-Besitzer Richard Branson, der nationalkonservative Podcaster Steve Bannon, der Microsoft-Gründer Bill Gates, der Google-Gründer Sergey Brin und der New-York-Giants-Besitzer Steve Tisch – sie alle pflegten den Kontakt mit Jeffrey Epstein, nachdem der Sexualstraftäter 2008 zum ersten Mal wegen Sex mit einer 14-Jährigen im Gefängnis gesessen war.
Handelsminister Howard Lutnick und der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak brachten ihre Gemahlinnen in die Ferien auf die karibische Insel von Epstein mit. Es entsteht ein dekadentes Sittengemälde von Prominenten von der Wall Street, aus dem Silicon Valley, der amerikanischen Politik und europäischen Aristokratie, die richtig drängelten, um von Epstein zu Ferien und Partys eingeladen zu werden, bei denen jeweils auch eine Armada von sehr jungen Frauen anzutreffen war.
Doch dass der Skandal immer grössere Kreise zieht, heisst nicht, dass die Folgen schwerer wiegen. Man fragt sich allmählich: Wer war eigentlich nicht mit Epstein bekannt? Rücktritte wie derjenige des Harvard-Professors Larry Summers bleiben selten. Die Chance, dass reale und mutmassliche Opfer von Epstein und Friends jemals Genugtuung finden, ist minim. Anzügliche E-Mail-Konversationen und Bilder von Partys mit weiblichen Teenagern und älteren Männern sind hochnotpeinlich, aber damit ist noch nicht ein Prozess gebaut. Dazu brauchte es Ermittlungen, die Trumps Justizministerium ganz sicher nicht eröffnen wird. Strafrechtlich sei das Material nicht relevant, sagte der ehemalige Anwalt von Trump und stellvertretende Justizminister Todd Blanche.
Trump und Clinton distanzierten sich
Trump selber wird in den jüngsten Offenlegungen mehrere hundert Male erwähnt. Doch ihm kann das kaum schaden. Es handelt sich dabei vor allem um eine Liste von unbestätigten Übergriffsvorwürfen, die das FBI vergangenes Jahr zusammengestellt hat, sowie schriftliche Erzeugnisse von Epstein und Zeitungsausschnitte, die Trump erwähnen. Im Gegensatz zu Bannon, Lutnick und Musk brach Trump den Kontakt mit Epstein ungefähr zur Zeit ab, als dieser zum ersten Mal wegen einer Sexualstraftat angeklagt wurde, also 2007.
Das ist auch bei Ex-Präsident Bill Clinton der Fall, der wie Trump mit Epstein in den Jahren zuvor eine zweifelhafte Bekanntschaft gepflegt hat. Beide streiten ab, damals von Epsteins Zuhälterei mit Minderjährigen gewusst zu haben.
Doch für Clinton droht mehr Ungemach als für Trump. Die Republikaner im Kongress haben ihn und die ehemalige Aussenministerin Hillary Clinton zu einer Anhörung eingeladen. Sie vollstrecken damit die Strategie des Weissen Hauses, die da lautet: Je stärker die Clintons im Rampenlicht sind, desto besser fürs Image von Trump. Die Clintons haben sich geweigert, der Einladung Folge zu leisten. Noch diese Woche dürfte das Repräsentantenhaus darüber abstimmen, ob sie der Missachtung des Kongresses bezichtigt werden, was rechtliche Folgen haben könnte.
In der selektiven Ausschlachtung der Epstein-Affäre sitzt Donald Trump am längeren Hebel, solange die Republikaner im Kongress in der Mehrheit sind. Doch konkrete politische und rechtliche Folgen werden die Enthüllungen kaum nach sich ziehen. Die Epstein-Files schaden aber der ganzen Elite aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Unterhaltung. Viele Wähler werden den Eindruck haben, es mit einem komplett verkommenen Establishment zu tun zu haben.
Unter der Biden-Administration betrieben die Democrats ein eigentliches Lawfare gegen Trump und zogen ihn viermal vor Gericht in aussichtslosen Verfahren. Das Epstein-Dossier lag während 4 Jahren im Justizministerium der Biden/Harris Regierung. Hätte es wirklich peinliche und strafrechtliche Handlungen von Trump enthalten, wären diese wohl schon lange, spätestens während des Wahlkampfs, zum Schaden von Trump an die Oeffentlichkeit gelangt.
Edda Kuhlmann
8 Empfehlungen
Als 2005 die ersten Untersuchungen gegen Epstein begannen, wurden die Maedchen als Luegner / Prostituierte hingestellt, Epstein kam deswegen mit einem Klapss auf die Finger davon.
Danach wurde das Schweigen der Maedchen mit viel Geld erkauft. Dass die Maedchen das Geld nahmen und Non-Disclosure Agreements unterschrieben ist nach den Ergebnissen der ersten Anklage mehr als verstaendlich, macht aber eine strafrechtliche Aufarbeitung ohne Zeugen schwierig.
Ja, die Elite wurde, wieder einmal, bloss gestellt und wird, wieder einmal, davon kommen.
Aber: Keine der Regierungen seit 2005 zeigte irgendein Interesse an einer Aufarbeitung. Trump liess Millionen von Unterlagen veroeffentlichen und wird jetzt als Verhinderer hingestellt. Erstaunlich


