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Der Fall Epstein: Ehemaliger britischer Botschafter in USA Mandelson verlässt Labour-Partei

Der verstorbene Sexualstraftäter Jeffrey Epstein beschäftigt die USA seit Jahren. Über die Verstrickungen von Politikern mit ihm kursieren wilde Theorien. Das setzt auch Präsident Donald Trump unter Druck.

NZZ-RedaktionAktualisiert


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Die neuesten Entwicklungen:

  • Der britische Politiker und ehemalige Botschafter in den USA, Peter Mandelson, hat seine Mitgliedschaft in der Labour-Partei gekündigt. Nach neuen Behauptungen über seine Verbindung zu Epstein wolle er der britischen Regierungspartei «weitere Peinlichkeiten» ersparen, schrieb der Politiker laut einem Bericht der Nachrichtenagentur PA vom Sonntag (2. 2.) in einem Brief an die Partei. Mandelson war bereits zuvor wegen seiner Verbindungen zu Epstein von seinem Botschafter-Posten in den USA abberufen worden. Im Zuge der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten durch das US-Justizministerium waren weitere Verstrickungen Mandelsons ans Licht gekommen. Zum Bericht
  • Der britische Premierminister Keir Starmer sagt, der ehemalige Prinz Andrew solle vor dem US-Kongress aussagen. Und weitere Frau beschuldigt Andrew. So äusserte sich Starmer gegenüber Journalisten am Samstag (31. 1.), nach der Veröffentlichung neuer Dokumente im Epstein-Fall, die Andrew weiter belasten. Sie zeigen unter anderem, dass Andrew mehr als zwei Jahre nach Jeffrey Epsteins Verurteilung noch regelmässigen Kontakt zu diesem hielt – und Fotos, auf denen der ehemalige Prinz auf allen vieren über einer unbekannten Frau kniet. Über Nacht machte zudem eine weitere Frau bekannt, dass sie von Epstein ins Vereinigte Königreich geschickt worden war, um mit Andrew Sex zu haben. Die Frau war damals in ihren 20ern. Die Begegnung soll in der Residenz des Prinzen stattgefunden haben.
  • Die jüngst veröffentlichten Akten werfen auch ein negatives Licht auf die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit. Mehrere hundertmal wird die 52-Jährige laut Medienberichten in den am Freitag (30. 1.) veröffentlichten Dokumenten erwähnt. Bereits vor Jahren wurde bekannt, dass Mette-Marit Kontakt zu Epstein hatte. Für besonders viel Aufsehen sorgte etwa ein E-Mail-Verkehr, in dem es um einen Besuch auf Epsteins Anwesen in Palm Beach im Gliedstaat Florida im Jahr 2013 geht. Dem Sender NRK bestätigte der Palast, dass Mette-Marit das Haus von Epstein über einen gemeinsamen Freund geliehen habe. Die Kronprinzessin habe dort vier Tage lang gemeinsam mit einer Freundin gewohnt, teilte die Sprecherin des norwegischen Königshauses, Guri Varpe, mit.
  • E-Mails belasten US-Handelsminister Lutnick: Die am Freitag (30. 1.) veröffentlichten Justizakten zeigen, dass Handelsminister Howard Lutnick 2012 ein Mittagessen auf der Privatinsel von Jeffrey Epstein plante – Jahre, nachdem er öffentlich erklärt hatte, den Kontakt abgebrochen zu haben. Ebenfalls publik wurden E-Mails von Elon Musk, der eine Einladung auf die Insel ablehnte und später betonte, kaum Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. Das Justizministerium spricht von der letzten Tranche der Epstein-Veröffentlichungen.
  • Das US-Justizministerium hat zahlreiche weitere Akten aus dem Fall Epstein veröffentlicht. Wie der stellvertretende Justizminister Todd Blanche am Freitag (30. 1.) mitteilte, handelt es sich um mehr als drei Millionen freigegebene Dokumente, 180 000 Bilder und 2000 Videos. Enthalten ist auch pornografisches Material, das Epstein besessen, aber nicht selbst aufgenommen hat, wie Blanche berichtete. Ob sich neue Erkenntnisse in dem Fall ergeben, war unmittelbar nach der Veröffentlichung auf der Homepage des Ministeriums noch unklar. Blanche sagte, herausgenommen habe man unter anderem persönliche Daten von Opfern, um deren Privatsphäre zu schützen. Ebenfalls zurückgehalten werde pornografisches Material, auf dem Kinder zu sehen sind, und alles, was Ermittlungen auf Bundesebene behindern könne.
  • Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton und seine Ehefrau Hillary Clinton haben sich geweigert, im US-Kongress zur Untersuchung des Falls von Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auszusagen. In einem gemeinsamen Schreiben an den republikanischen Abgeordneten James R. Comer, den Vorsitzenden des Aufsichtsausschusses im US-Repräsentantenhaus, erklärten sie laut US-Medien die Vorladungen für rechtlich unwirksam und kündigten Widerstand an. Sie warfen Comer vor, ein politisch motiviertes Verfahren zu betreiben, das «buchstäblich darauf angelegt ist, in unserer Inhaftierung zu enden». Man sei überzeugt, dass «jede vernünftige Person» erkennen werde, dass es darum gehe, politische Gegner zu bestrafen und Verbündete zu schützen.
  • Das amerikanische Justizministerium hat bekanntgegeben, dass im Zusammenhang mit dem Fall Epstein mehr als eine Million weitere Dokumente identifiziert worden seien, die derzeit geprüft würden. Das FBI und die Staatsanwaltschaft in New York (Southern District) hätten das Ministerium über die Dokumente informiert und man prüfe nun deren Freigabe gemäss gesetzlicher und gerichtlicher Vorgaben, hiess es vom Ministerium auf der Plattform X am Mittwoch (24. 12.). Man werde die Dokumente «so schnell wie möglich» veröffentlichen. Zugleich verwies das Ministerium wegen des Umfangs auf weitere Wochen, die das voraussichtlich in Anspruch nehmen werde.

Inhaltsverzeichnis

Worum geht es im Fall Epstein?

Der amerikanische Investmentbanker Jeffrey Epstein war 2019 wegen Prostitution, Menschenhandels und der vielfachen Vergewaltigung Minderjähriger angeklagt worden. Er soll Dutzende von Mädchen missbraucht und seinen Freunden zur Verfügung gestellt haben. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2002 und 2005 einen Sexsklavenring mit Minderjährigen aufgebaut zu haben. Bereits 2008 war Epstein wegen fast identischer Anschuldigungen angeklagt worden. Kritiker gehen davon aus, dass Epsteins weitreichende Kontakte zu einflussreichen Personen eine Rolle bei dem ungewöhnlich milden Deal mit der Staatsanwaltschaft spielten. Er wurde zu nur 13 Monaten Gefängnis verurteilt. Epstein plädierte stets auf nicht schuldig.

Auf X haben Demokraten diesen angeblichen Brief Donald Trumps an Jeffrey Epstein enthüllt.

Auf X haben Demokraten diesen angeblichen Brief Donald Trumps an Jeffrey Epstein enthüllt.

Democrats On The House Oversight via Reuters

Zu einem weiteren Schuldspruch 2019 kam es nicht. Epstein wurde am 10. August 2019 tot in seiner Zelle in New York aufgefunden. Er starb mit 66 Jahren. Offiziell wird von Suizid gesprochen.

Der Fall Epstein hat in der amerikanischen Gesellschaft grosses Aufsehen erregt und ist auch politisch brisant. Der Investmentbanker und Millionär verkehrte lange in den Kreisen der Reichen und Mächtigen. Dazu zählten unter anderem der britische Prinz Andrew, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton sowie Donald Trump, mit denen er nachweislich persönlichen Kontakt hatte.

Jeffrey Epstein wurde 1953 geboren und verbrachte einen Grossteil seiner Kindheit in New York. Er studierte Mathematik und arbeitete zunächst als Lehrer. 1982 gründete er die Firma J. Epstein & Co. Die Vermögensverwaltung spezialisierte sich auf Geldanlagen für Milliardäre und verdiente damit selbst viel Geld.

Jeffrey Epstein auf einem Bild, das 2017 für das Sexualstraftäterregister in New York aufgenommen wurde.

Jeffrey Epstein auf einem Bild, das 2017 für das Sexualstraftäterregister in New York aufgenommen wurde.

Reuters

Inwiefern kann der Fall Epstein der Trump-Regierung politisch schaden?

Donald Trump hatte während seines Wahlkampfs versprochen, alle wichtigen Dokumente zum Epstein-Skandal zu veröffentlichen. Die Rede war auch von einer möglichen Epstein-Kundenliste. Nach seinem Amtsantritt distanzierte sich Trump jedoch von der Forderung und erklärte, er sehe keinen weiteren Aufklärungsbedarf.

Trump soll bei einem Treffen im Mai informiert worden sein, dass sein Name in den «Epstein files» auftauche, berichtete das «Wall Street Journal» im Juli. Die Nennung des Namens allein ist zwar kein Hinweis auf ein mögliches Vergehen. Aber bei diesem Gespräch im Mai soll man beschlossen haben, die Überprüfung der Epstein-Akten abzuschliessen. Die veröffentlichte Erklärung, die folgte, war knapp: Epstein habe keine Kundenliste geführt, keine Klienten erpresst und sei durch einen Suizid umgekommen, hiess es darin.

In der Folge geriet die Justizministerin Pam Bondi unter Druck. Sie hatte im Februar angekündigt, die Epstein-Akten zu veröffentlichen. Im Umfeld der «Make America great again»-Bewegung kursieren seit Jahren Verschwörungstheorien zum Fall Epstein. Einige Anhänger aus dem rechten Lager hatten daher auf spektakuläre Enthüllungen gehofft. Um die Kritik zu entschärfen, beantragte Bondi am 18. Juli vor einem Bundesgericht in New York die Teilfreigabe bislang geheimer Grand-Jury-Unterlagen in den Verfahren gegen Epstein und Maxwell. Dabei handelt es sich um die Protokolle der Sitzungen der Anklagebehörde (Grand Jury) in den separaten Verfahren gegen Epstein und Maxwell.

Am 19. Dezember 2025 hat das amerikanische Justizministerium damit begonnen, Unterlagen zum Fall Epstein zu veröffentlichen. Die Ermittlungsbehörde erfüllt damit eine Forderung des Kongresses. Die Dokumente – darunter Fotos, E-Mails und Gerichtsunterlagen – werden in mehreren Tranchen und teilweise zensuriert publiziert. Viele Dokumente sind stark geschwärzt.

Justizministerin Pam Bondi spricht vor den Medien im Weissen Haus.

Justizministerin Pam Bondi spricht vor den Medien im Weissen Haus.

Ken Cedeno / Reuters

Kurz darauf wurde ein Foto wieder gelöscht. Es zeigt eine Schublade mit Fotos, darunter eines von Trump vor seiner Präsidentschaft, auf dem er mit Frauen in Bikinis posiert. Das US-Justizministerium schrieb später auf der Plattform X, dass das Bild «aus reiner Vorsicht» vorübergehend gelöscht worden sei, mittlerweile aber wieder online sei.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung Tausender Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hat die US-Regierung weitere Dokumente ins Netz gestellt – und kurz darauf wieder gelöscht. Die Dateien waren mehrere Stunden lang auf der Webseite des Justizministeriums zum Download verfügbar gewesen. Enthalten seien darin unter anderem Details zu Flügen von US-Präsident Donald Trump mit Epsteins Flugzeug, wie die «Washington Post» und «Politico» berichtet hatten.

Was hat Ghislaine Maxwell mit den Vorwürfen gegen Epstein zu tun?

Nach Epsteins Tod geriet seine ehemalige Partnerin Ghislaine Maxwell in den Fokus von Ermittlern und der Öffentlichkeit. Maxwell wird vorgeworfen, eine zentrale Rolle bei Epsteins sexuellem Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben. Sie soll ihrem Ex-Partner jahrelang neue Mädchen zugeführt haben. Unter dem Vorwand, sie für Massagen einzustellen, lockte Maxwell die Mädchen in das gemeinsame Anwesen.

2021 wurde Maxwell in mehreren Anklagepunkten für schuldig befunden. Die zwölf Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass Maxwell von den sexuellen Missbräuchen ihres Partners an Minderjährigen nicht nur gewusst, sondern ihn zwischen 1994 und 2004 aktiv dabei unterstützt hatte. Zurzeit sitzt Maxwell ihre 20-jährige Haft ab.

Donald Trump und seine heutige Frau Melania werden im Jahr 2000 zusammen mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell in Mar-a-Lago fotografiert.

Donald Trump und seine heutige Frau Melania werden im Jahr 2000 zusammen mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell in Mar-a-Lago fotografiert.

Davidoff Studios / Getty

Im Juli 2025 besuchte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche die inhaftierte Ghislaine Maxwell. Dabei sagte Maxwell laut einem vom Justizministerium veröffentlichten Transkripts der Befragung, dass sie Präsident Donald Trump nie in einer unangemessenen Situation beobachtet habe. Zudem wisse sie nichts von einer Kundenliste Epsteins.

Dass ein hoher Justizbeamter wie Blanche eine mögliche Zeugin trifft, ist aber höchst ungewöhnlich, insbesondere weil Blanche zuvor als Trumps persönlicher Anwalt tätig war und ihn im New Yorker Schweigegeldprozess verteidigte. Die Demokraten befürchten einen «korrupten Deal» zwischen Trump und Maxwell.

Die Anwälte von Maxwell behaupten, man mache ihre Mandantin zum Sündenbock für Epsteins Vergehen. Sie haben den Supreme Court ersucht, Maxwells Verurteilung zu annullieren. Das Oberste Gericht hat den Antrag im Oktober abgewiesen.

Welche Personen sind sonst noch in den Skandal involviert?

Auf den im Dezember 2025 veröffentlichten Fotos tauchen einige Prominente auf. Neben dem Rock-Star Mick Jagger, dem 2009 ums Leben gekommenen Pop-Star Michael Jackson und dem Schauspieler Kevin Spacey ist der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton verhältnismässig oft abgelichtet. Immer wieder taucht er auf Fotos auf, zum Beispiel beim Schwimmen im Pool mit Epsteins langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell.

Eine Nennung bedeutet nicht, dass die Personen aktiv am Missbrauchsnetzwerk beteiligt waren. Epstein organisierte viele Partys und pflegte Kontakte zu zahlreichen Prominenten und mächtigen Personen.

Bereits 2024 wurden die Namen von rund 170 Personen veröffentlicht, die mit dem Epstein-Fall in Verbindung stehen. Sie wurden im Zivilstreit zwischen der geschädigten Amerikanerin Virginia Giuffre und Epsteins Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell genannt. Giuffre war eine der wichtigsten Figuren im Skandal um Epstein und trat als öffentliche Klägerin auf.

Auch der Name des britischen Prinzen Andrew, des jüngeren Bruders von König Charles, taucht immer wieder im Zusammenhang mit dem Fall Epstein auf. Der Duke of York war mit Jeffrey Epstein eng verbunden. Virginia Giuffre erhob Anklage gegen Andrew. Als Minderjährige sei sie von Epstein zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden. Erst bestritt Andrew, sie jemals getroffen zu haben, verhedderte sich dann jedoch in Widersprüche. Der Fall wurde mit einer Zahlung in Millionenhöhe aussergerichtlich beigelegt. Das Königshaus entzog ihm 2022 alle Ehrenämter, im Oktober 2025 gab Andrew dann alle seine royalen Titel auf. Giuffre war da bereits tot. Sie beging wenige Monate zuvor Suizid, sie starb im Alter von 41 Jahren.

Der britische Prinz Andrew nimmt 2023 am Weihnachtsgottesdienst der königlichen Familie teil.

Der britische Prinz Andrew nimmt 2023 am Weihnachtsgottesdienst der königlichen Familie teil.

Chris Radburn / Reuters

Mit Agenturmaterial.

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