Nach der Freigabe von Tausalz gegen Berlins vereiste Gehwege dämpft die Berliner Stadtreinigung (BSR) die Erwartungen an das Streumittel. Erstens wird die BSR laut einer Sprecherin auch weiterhin keine Taumittel auf Gehwegen einsetzen. Zweitens ist die Wirkung von Tausalz auf die vielerorts dicken Eispanzer begrenzt.
BSR-Chefin Stephanie Otto sagte der „B.Z.“ am Samstag: „Wir haben aktuell auf vielen Gehwegen eine geschlossene Eisschicht. Wenn wir da nur Salz oder Splitt draufstreuen, würden wir das Problem nicht lösen.“ Otto begrüßt demnach zwar die Tausalz-Freigabe, sagte aber auch: „Die wichtigste Maßnahme ist, das Eis von Hand aufzubrechen, die Eisstücke zur Seite schieben, sodass man einen ein Meter breiten Durchgang hat. Das ist dann der Zeitpunkt, um Splitt, Sand, Sägespäne großflächig zu verteilen.“ Salz braucht es dann nicht mehr, zumal die Beschaffung wegen der großen Nachfrage aktuell ohnehin schwierig ist.
Vor allem für Fußgänger ist die Lage wegen vereister Wege derzeit desolat. Aus BSR-Sicht dürfte die am Freitag vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verkündete Sondergenehmigung, Tausalz zu verwenden, die Situation kaum verbessern. „Wir werden kein Salz auf den Gehwegen ausbringen“, sagte Sprecherin Frauke Bank dem Tagesspiegel am Samstag. Dafür seien auch weiterhin die Grundstückseigentümer oder die von diesen beauftragten Dienstleiter zuständig.
Denn auch die Vorräte der BSR sind endlich: „Wir benötigen unser Streumaterial für die uns per Gesetz vorgegebenen Aufgaben“, sagte Bank. Die Stadtreinigung ist zuständig für den Winterdienst auf Stadtautobahnen, Straßen, Fußgängerüberwegen und BVG-Haltestellen sowie bestimmten Radwegen und einigen wenigen Fußgängerzonen und prominenten Plätzen. Tausalz kommt dabei nur auf den Autobahnen sowie auf Hauptstraßen und Straßen mit Nahverkehrslinien zum Einsatz. „Die Vorräte sind knapp und die Beschaffung auf dem Markt aktuell nicht ganz einfach. Es gibt einen sehr großen Bedarf und die Lieferquellen sind begrenzt.“
Zusätzlich gedämpft werden die Hoffnungen auf Besserung durch die für die kommenden Tage vorhergesagten Temperaturen. Je kälter es wird, desto weniger wirkt das Streusalz. In den kommenden Nächten werden Temperaturen bis zehn Grad unter Null erwartet.
Die anhaltende Glätte auf Berlins Gehwegen hatte zuletzt zu einem politischen Streit zwischen den Koalitionspartnern CDU und SPD geführt. Zunächst gaben sich beide gegenseitig die Schuld dafür, die Änderung des Straßenreinigungsgesetzes verschleppt zu haben. Am Donnerstag appellierte Senatschef Wegner an das Abgeordnetenhaus, die Gesetzesänderung zu beschließen, ehe er am Freitag Verkehrs- und Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) damit beauftragte, die Verwendung von Tausalz per Allgemeinverfügung zu gestatten. Diese gilt zunächst befristet für 14 Tage und soll laut Wegner „Privatpersonen und der BSR den Einsatz von Taumitteln auf Gehwegen zur Beseitigung der Eisdecke“ ermöglichen.
BSR gibt kein Salz ab
Angaben dazu, wie groß der Vorrat der BSR an Streusalz und Splitt aktuell ist, machte die BSR nicht. Zum Beginn der Wintersaison seien 13.000 Tonnen Salz, 2100 Kubikmeter Sole und 5000 Tonnen Splitt bevorratet worden. „Wir haben seitdem regelmäßig nachgeordert und sind daher weiter für unsere Aufgaben ausreichend versorgt“, sagte Bank. Klar ist: Die BSR wird kein Risiko eingehen und durch die Abgabe von Streumaterial Gefahr laufen, die eigenen Aufgaben nicht mehr erfüllen zu können.
Dennoch leistet die BSR einen Beitrag dazu, dass sich die Situation auf den seit Tagen zum Teil spiegelglatten Gehwegen verbessert. Seit Samstagmorgen können sich Berlinerinnen und Berliner sowie die auf ihren Flächen für die Glättebekämpfung zuständigen Bezirke Splitt abholen. Das am Samstag zunächst auf zehn Höfen bereitgestellte Angebot werde angenommen, ein Ansturm auf die Abholorte sei bislang aber ausgeblieben, sagte Bank am Samstagvormittag. Ab Montag kann noch auf drei Höfen Splitt abgeholt werden, solange der Vorrat reicht.


