Chinesische Autohersteller drängen auf den afrikanischen Markt. Sie sichern ganze Wertschöpfungsketten und liegen so schon jetzt vor der Konkurrenz.
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Wenn man über die weltweite Adaption von Elektrofahrzeugen redet, denkt man selten an den afrikanischen Kontinent. Doch da findet gerade eine kleine Revolution statt. Hintergrund ist eine neue Idee chinesischer Hersteller. In Nigeria und Kenia entstehen Montagelinien für Elektrofahrzeuge – nicht als milliardenschwere Komplettwerke, sondern als clevere Baukastenlösung. Die Fahrzeuge kommen zerlegt ins Land, werden vor Ort zusammengesetzt und gelten damit als lokal produziert.
Das Prinzip ist strategisch ebenso schlicht wie wirkungsvoll: Die Bausätze ermöglichen einen Markteintritt ohne hohe Kapitalbindung. Die technologische Kontrolle bleibt beim Hersteller, die lokale Politik bekommt Arbeitsplätze und industrielle Perspektive, und der Anbieter sichert sich frühzeitig Marktanteile.
China sichert sich zukünftige Märkte
Hersteller wie BYD nutzen dieses Modell konsequent. Afrika steht am Beginn einer elektrischen Transformation, vielerorts kombiniert mit dezentraler Solarenergie und digitalen Zahlungssystemen. Wer jetzt Standards setzt, definiert die Infrastruktur von morgen. Es geht nicht nur um Autos, sondern um Plattformen, Batterielogik, Software und Datenstrukturen.
China exportiert also nicht nur Fahrzeuge, sondern industrielle Architektur. Die lokale Wertschöpfung ist begrenzt, aber ausreichend, um politische Unterstützung zu sichern. Gleichzeitig bleibt die Schlüsseltechnologie im Herkunftsland. Das reduziert Risiken und schafft Abhängigkeiten – ökonomisch wie geopolitisch.
Und Deutschland? Die deutschen Hersteller fokussieren sich weiterhin auf ihre Kernmärkte. Afrika gilt als zu klein, zu unsicher, zu wenig kaufkräftig. BMW und VW betreiben nur kleinere Anlagen in Ägypten, beziehungsweise Ruanda, die Bausätze fertigstellen. Das ist strategisch kurzsichtig. Denn Märkte entstehen nicht erst dann, wenn sie perfekt sind. Sie entstehen, wenn jemand bereit ist, sie zu gestalten.
Die chinesische Baukasten-Strategie zeigt, wie das geht: geringe Investitionen, schnelle Skalierbarkeit, kombinierte Finanzierungsmodelle für Flottenbetreiber, Taxiunternehmen oder Lieferdienste. Mobilität wird als System verkauft, nicht als Premiumprodukt.
Deutschland verliert bei den Plattformen
Genau hier läge eigentlich eine deutsche Stärke. Der Mittelstand ist Weltmeister in hochspezialisierten Komponenten, in Systemintegration, in industrieller Skalierung. Ein modulares Exportmodell für elektrische Plattformen, Ladeinfrastruktur oder Energiemanagement wäre anschlussfähig. Stattdessen dominiert die klassische Logik des fertigen Fahrzeugs, das aus Europa exportiert wird – inklusive aller Kostenstrukturen.
Was sich in Afrika abzeichnet, ist deshalb mehr als ein regionales Phänomen. Es ist ein geopolitisches Muster. Wer heute Plattformen liefert, definiert technische Standards. Wer Batterien liefert, prägt Lieferketten. Wer Software integriert, kontrolliert Datenräume. China nutzt diese Hebel systematisch.
Der Unterschied liegt nicht in der technologischen Kompetenz, sondern im strategischen Denken. Die einen betrachten Mobilität als global adaptierbares System. Die anderen verteidigen bestehende Märkte. Afrika wird nicht morgen zum größten Absatzmarkt der Welt. Aber es wird zum Experimentierfeld für neue Industriepolitik. Wer dort Präsenz zeigt, baut Beziehungen, Standards und Vertrauen auf.
China liefert heute Bausätze. Morgen liefert es Ökosysteme. Und Deutschland riskiert, in einer Debatte über Standortbedingungen zu verharren, während anderswo die Spielregeln geschrieben werden.


