Leon Goretzka verlässt den FC Bayern zum Saisonende. Das deutet auf eine Neuausrichtung der Münchner hin
Nach acht Jahren in München zieht es den Mittelfeldspieler ins Ausland. Die Bayern unterliessen es, offensiv um ihn zu werben.
Aktualisiert

Leon Goretzka gewann 2020 mit dem FC Bayern die Champions League.
EPA
Manchmal ist die Art und Weise, wie eine Nachricht kommuniziert wird, fast genauso entscheidend wie die Nachricht selbst. Leon Goretzka, der Mittelfeldspieler des FC Bayern, gab am Freitag ein Beispiel dafür. Goretzka wird den FC Bayern München verlassen, nicht sofort per Ende der Transferperiode im Winter, sondern zum Saisonende.
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Atlético Madrid hatte starkes Interesse signalisiert, Trainer Diego Simeone hat Gefallen an dem körperlich robusten, aber zugleich technisch versierten Mittelfeldspieler gefunden. Dass ein Wechsel einstweilen aufgeschoben ist, dürfte auch damit zu tun haben, dass die Ablösesumme, die die Spanier geboten haben, recht überschaubar gewesen sein soll. Das ist verständlich: Goretzkas Vertrag läuft im Sommer aus.
Goretzka kommunizierte seinen Abschied auf Instagram – und schaffte dabei, zwei gegensätzliche Botschaften im selben Text unterzubringen: «So sehr mich das Interesse von internationalen Top-Klubs ehrt, so klar habe ich für mich entschieden, dass ich bis zum Saisonende beim FC Bayern bleiben möchte.»
Allerdings fügte er hinzu: «Gleichzeitig haben der Verein und ich in guten und konstruktiven Gesprächen beschlossen, dass unsere gemeinsame erfolgreiche Zeit im Sommer zu Ende geht.» Goretzka gelang damit ein kommunikatives Meisterstück: Er stellt das Unausweichliche als eine Entscheidung dar, die von ihm massgeblich beeinflusst wurde.
Ein weiterer Gutverdiener verlässt den Klub
Das ist ziemlich clever, und es entspricht dem Wesen des eloquenten Profis, der 2018 vom FC Schalke 04 nach München wechselte. Erfolgreich, das war Goretzka dort, doch er war längst nicht immer unangefochten. Dass er den Klub verlässt, wäre auch zu einem früheren Zeitpunkt keine Überraschung gewesen.
Allerdings hat Goretzka, der 2020 mit den Bayern die Champions League gewann und dabei eine wichtige Rolle spielte, gerade im letzten Jahr Beachtliches geleistet. Unter Trainer Vincent Kompany hat er sich sportlich vollständig rehabilitiert, nachdem er von vielen Experten bereits abgeschrieben worden war. Ein Abschied nach einer starken Saison, wie sie sich gerade abzeichnet, sendet daher ein ganz anderes Signal, als wenn er von der sportlichen Leitung aufgrund eines defizitären Leistungsausweises aussortiert worden wäre.
Nur stellt sich die Frage, warum der FC Bayern nicht offensiv um Goretzka geworben hat. Mit seinen bald 31 Jahren ist Goretzka keineswegs zu alt, um sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. Die Bayern allerdings sind im Begriff, das Kader umzubauen und vor allem auch zu verjüngen. Im Mittelfeld hat Goretzka starke Konkurrenz bekommen. Aleksandar Pavlovic und auch Tom Bischof gelten als Spieler mit grosser Perspektive, die nicht nur im FC Bayern, sondern auch im deutschen Nationalteam eine prägende Rolle spielen könnten.
Ausserdem zählt Goretzka im Münchner Kader keineswegs zu den preiswerten Kräften, mag er auch nicht zu denen gehören, deren Jahressalär gegen 20 Millionen Euro beträgt. Auch aus dieser Perspektive erscheint ein Wechsel einleuchtend: Noch im Sommer hatte Uli Hoeness, der Aufsichtsratschef, erklärt, dass die finanziellen Ressourcen der Bayern endlich seien. Nach Thomas Müller und Leroy Sané wird nun ein weiterer Gutverdiener die Münchner verlassen.


